Einerlei & Allerlei

Caligari: Ein Kino als Schmuckstück


Ein schmuckes Kleinod der Landeshauptstadt, nahe Marktkirche und Rathaus: das kommunale Kino Caligari. Das prächtige Innere des Kinosaals und das anspruchsvolle (auch durch international renommierte Festivals bestückte und bekannte)  Programm sind immer wieder einen Besuch wert.

Auch die beiden von uns zuletzt gesehenen neuen Filme seien jedem Kinogänger, egal wo, empfohlen: Lara (Regie: Jan-Ole Gerster) mit der wunderbaren Corinna Harfouch in der Hauptrolle sowie A Dog called Money (Regie: Seamus Murphy), der in meinen  Augen mehr ist als eine Doku rund um das "Demolition-Projekt" der fantastischen Künstlerin PJ Harvey.


Steinpilze-Risotto

Pilze schießen auch in diesem Jahr in unserer Gegend nicht gerade aus dem Boden. Das Wetter ist nicht danach. Doch wer in den Stunden nach einem Regeschauer gar Steinpilze findet, sollte das rare Gut in einem köstlichen und gleichzeitig einfachen Gericht verarbeiten.

Zutaten: frische Steinpilze (etwa 300-400 g für vier Personen). 250 g Risotto-Reis (ich bevorzuge Arborio, alternativ Vialone). Zwei kleine Zwiebeln, eine Knoblauchzehe (nach Gusto), etwas gewürfelten Schinkenspeck. 800 ml Gemüsebrühe (ich nehme gern als zweite Hälfte Rinder- oder Wildfond). Butter(schmalz), Bratolive, Weißwein, Süße Sahne, Parmesan.

Zubereitung: Die Steinpilze säubern (nicht waschen!) und in nicht zu kleine Stücke schneiden. Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden. Die Brühe erhitzen und ganz leicht köcheln lassen.

Etwas Butterschmalz/Bratolive in einer Pfanne erhitzen, ein Viertel der Zwiebeln, den Knoblauch und die Speckwürfel darin anbraten. Die Pilze hinzugeben, bei geringer Hitzezufuhr braten. Pfeffer und Salz.

Währenddessen einen bis zwei Esslöffel Butterschmalz (und/oder Bratolive) in einem Topf erhitzen, die verbliebenen Zwiebeln andünsten, bis sie etwas weich und glasig sind. Reis hinzugeben, kräftig rühren, bis er mit Fett überzogen ist. Nach wenigen Minuten mit einem Schuss Weißwein ablöschen. Verdampfen lassen. Dann eine Kelle Brühe hinzugeben, umrühren, verdampfen lassen – dies dann in der Folge bei mäßiger bis geringer Hitze mehrmals wiederholen.

Wenn der Reis gar ist (bissfest, etwa 18-20 Minuten), die letzte Kelle Brühe und die gebratenen Pilze zugeben. Nur wenig geriebenen Parmesan unterrühren (für unbedingte Käseliebhaber gibt’s eine gute Portion auf den Tisch); ich gebe noch einen Schuss Sahne an das Risotto. Nach Geschmack Pfeffer und (Vorsicht!) Meersalz. Noch einmal leicht umrühren.

Vom Feuer nehmen, zudecken, wenige Minuten ruhen lassen. Dazu ein kräftiger Weißwein (Roero Arneis oder Langhe) oder junger Roter (z.B. Dolcetto d’Alba) aus Piemont. Buon Appetito!

 

Das andere Café

Die Villa Clementine ist eine bekannte Wiesbadener Adresse. Der prächtige Bau in der Wilhelmstraße beherbergt das nach ihm benannte Literaturhaus, dessen Programmangebot von Lesungen über Diskussionsrunden bis hin zu einer Vielfalt von sonstigen Kulturveranstaltungen und Netzwerkertreffen reicht. Seit geraumer Zeit ist auch wieder das Literaturhaus-Café geöffnet. Der Besuch (Di-So, ab 10h bis 22h) sei wärmstens empfohlen. Das Villa-Ambiente, die unaufgeregte Atmosphäre, das besondere Fluidum von schon gelesenen und gerade entstehenden Büchern, die Kuchenauswahl und das freundliche Servicepersonal – es gibt Gründe genug. (19.11. Ganz aktueller Nachtrag aus traurigem Anlass: Holger Schwedler, Betreiber des Literaturhaus-Cafés und der Vinothek Wingert, ist gestern nach einem Herzinfarkt gestorben.)

 

Fundstück: Finde den Fehler

… Simone Henriette Charlotte Kaminker wurde in einer ungerechten Welt auf der Seite der Reichen geboren, auf der Seite der Sieger in einem Land der Besiegten. Wäre ihr Leben ein Film, so würden die beiden ersten Jahre den Vorspann bilden. Man sähe ein gesundes, sauberes und gut genährtes Kind, das eine ängstliche Mutter an einem Tag des Jahres 1921 in einem teuren Kinderwagen durch die mit verstörten Passanten und hungrigen Kindern bevölkerten Straßen von Wiesbaden, einem kleinen Ort im Rheinland, spazieren fährt. (…) Georgette Kaminker war keine von denen, die schamlos von den Privilegien profitierten, die das Schicksal ihnen in den Schoß gelegt hatte. Diese junge Mutter schämte sich, Fleisch und Milch für ihre Tochter kaufen zu können, während deutsche Kinder Hunger leiden mussten. Sie schämte sich, gut gekleidet zu sein und in einem beschlagnahmten Haus zu wohnen. Sie haßte die Aufgabe, die man ihrem Mann anvertraut hatte, und war wütend auf ihn, daß er sie angenommen hatte. (…) Übrigens war André Kaminker auf eine Art Jude, wie andere bretonische Vorfahren haben. Er zog es vor, nicht daran zu denken. Als Sohn eines polnischen Juden und einer österreichischen Jüdin wollte er vor allem Franzose sein. Er hatte drei Jahre Militärdienst und vier Jahre Kriegsdienst in der französischen Armee geleistet. Er war der Meinung, genug dafür bezahlt zu haben, daß er der guten Gesellschaft angehören durfte, ohne unangenehme Fragen über seine Herkunft beantworten zu müssen. Man sollte ihn damit in Ruhe lassen. …

(Catherine David: Simone Signoret – Geteilte Erinnerungen, Goldmann 1991)

 

Originalität in drei Preisklassen

Ein sehr empfehlenswertes, wenngleich kostspieliges Vergnügen bietet das Restaurant Les Deux Dienstbach in der Unteren Albrechtstraße. Französische bzw. bretonische Küche, präsentiert von zwei Schwestern, ein einladendes Ambiente und freundliches Personal. Unbedingt reservieren! Mit dem Saz in der Taunusstraße gibt es endlich ein gutes türkisches Restaurant in der Stadt – jenseits aller Döner- und Kebab-Buden. Vielfältiges Angebot, anatolische Küche, unbedingt der Weinempfehlung des netten gesprächigen Wirts folgen. Im Schoppenhof am Sedanplatz (Weißenburger Straße) werden Freunde und Freundinnen hessischer Spezialitäten nun auch in der Stadt, nicht nur in den ländlichen Vororten fündig. Eine Apfelwein-Ebbelwoi-Äppler-Kneipe mit langen Tischen (im Sommer auch draußen), netten Leuten, gemütlich. Reelle Preise. Hier kann man auch „nur“ einen Schoppen zu sich nehmen. Gut besucht, Anruf empfehlenswert.