Nah & fern

Vergnügliches zu viert

Es wurde ein schöner Abend. Alain Gambette, ein befreundeter Maler, war zusammen mit seiner Gattin Sabine zum Hirschrückenfilet, Knödeln und Wurzelgemüse eingeladen. Er hat uns mit der Fotografie eines noch sehr "frischen", hinsichtlich des Stils für ihn eher ungewöhnlichen Gemäldes überrascht:  Happy Hour, Acryl auf Leinwand, 40 cm x 60 cm. Wer mehr von Alain kennenlernen will, kann sich unter der E.Mail-Adresse  a.gambette@gmx.de an ihn wenden.


Echt langweilig: Immer wieder  Langeoog

Autofrei, nicht überfüllt, langer Strand (auch für Hunde). Sich gut entwickelnde Gastronomie. Freundliche Menschen ("Moin!"). Wer im Winter einmal auf Langeoog war, fährt wieder hin. Aus dem Rhein-Main-Gebiet in fünf bis sechs Autostunden zu erreichen. Großparkplätze und Fähre in Bensersiel. Ab Hafen Langeoog mit der Bimmelbahn oder zu Fuß (30 min) in das  Dorf. Der östliche Teil der Insel ist unbebaut (bis auf die Meierei am Ostende).

Langeweile, die entschleunigt, entspannt und wohl tut. Spaziergänge am Strand, Radtouren mit oder ohne Hund, aber immer gegen den Wind. Morgens um halb acht scheinen noch alle zu schlafen, zwölf Stunden später endet vielerorts der Tag. Im Tagesablauf stellt sich unter diesen Bedingungen schnell Routine ein.

Die Gastronomie ist im Wandel: Alteingesessene Kneipen haben den Pächter gewechselt; die einen sind Absteiger, andere heben das Niveau. Unser unangefochtener Favorit: der Seekrug. Sehr gut, abwechslungsreich, regionale Lieferanten und Bioprodukte. Auch gute Weine und hervorragenden Sherry. Freundliches und entgegenkommendes Personal. Hat seinen Preis, und frühzeitige Reservierung ist sehr zu empfehlen. Auf dem zweiten Platz: Die Alte Post (ehemals Kupferpfanne); auf dem dritten: das Blied. Neu entdeckt: die Bunt Kuh.

Uns hat schon immer gewundert, dass diese Insel (Natur- und Vogelschutz wird großgeschrieben) in der Silvesternacht mit voller Kraft voraus böllert. Diesmal hat die Gemeinde (mit neuer Bürgermeisterin) dazu aufgerufen, Feuerwerk zu unterlassen, in den drei (Edeka-)Läden der Insel gab es keinen Verkauf von Böller und Raketen. Ergebnis: Beschuss geschätzt auf 60% reduziert. Mal sehen, ob der private Munitionsimport durch die Inselgäste zum  Jahreswechsel 2020/21 zurückgeht. 

Die Debatte um den Tourismus der Zukunft hat  auch die ostfriesischen Inseln erfasst. Wieviele und welche Gäste wünscht man sich? Was kann die Gemeinde, was können Private (Hotels, Ferienhäuser, Läden, Gastronomie, Dienstleister usw.) anbieten? Wir haben über die Jahre manche Kneipe und manchen Laden verschwinden sehen. Das teils marode Kurzentrum mausert sich zur Dauerbaustelle. Andererseits: Der Fähranleger wird erweitert und modernisiert. Ehrlich gesagt: Im Sommer würden wir nicht zu den Abertausenden Touristen gehören wollen. Bei rund 1.800 Einwohnern zählt die Insel übers Jahr mehr als 220.000 Gäste, wobei die Wintermonate einen äußerst geringen Anteil dazu beitragen.

Ein sehr ernstes Problem für die Insulaner, über das auch immer offener gesprochen wird: Es wird gebaut, aber Einheimische finden (wie auf Sylt und anderswo) nur sehr schwer und nur überteuerten Wohnraum!   


Neuseeland: Eine Anthologie

Doris Evans, eine seit vielen Jahren in Auckland lebende ehemalige Kollegin, mit der ich mich auch über das Schreiben austausche, hat mir eine 141 Seiten dicke Anthologie geschickt: Cutting Through (ISBN 9780473483623; NZD 15,00).

Fünfzig Autorinnen und Autoren aus den Schreibwerkstätten und Netzwerken Green Bay Writers, Titirangi Poets und Waitakere Writers haben sich erstmals zusammengetan und (zum Teil sehr kurze) Short Stories und Gedichte zu diesem Sammelband beigesteuert. Vielfalt ist dabei Trumpf – was die Themen und den Schreibstil betrifft. Auch deshalb: Empfehlung!


Fundstück: Aus aktuellen Gründen

... "In Erbach hawwe koa Judde gewohnt, de Graf hott des net gewollt." Das wusste jeder Erbacher, und jeder, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Erbach heimisch wurde, lernte es. (...) Vor dem Einmarsch der Amerikaner am 29. März 1945 sollten die Akten aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft verschwinden. Um so viele papierne Zeugen wie möglich in Rauch aufgehen zu lassen, brannten in Erbach große Feuer im Rathaus, im Hof der Kreisleitung und beim Landratsamt ...

(Brigitte Diersch, Das kurze Leben der Doris Katz, Kreisausschuss des Odenwaldkreises – Kreisarchiv, Erbach 2010)