September 2019

Wiesbaden: Steinpliz-Risotto

Pilze schießen auch in diesem Jahr in unserer Gegend nicht gerade aus dem Boden. Das Wetter ist nicht danach. Doch wer in den Stunden nach einem Regeschauer gar Steinpilze findet, sollte das rare Gut in einem köstlichen und gleichzeitig einfachen Gericht verarbeiten.

Zutaten: frische Steinpilze (etwa 300-400 g für vier Personen). 250 g Risotto-Reis (ich bevorzuge Arborio, alternativ Vialone). Zwei kleine Zwiebeln, eine Knoblauchzehe (nach Gusto), etwas gewürfelten Schinkenspeck. 800 ml Gemüsebrühe (ich nehme gern als zweite Hälfte Rinder- oder Wildfond). Butter(schmalz), Bratolive, Weißwein, Süße Sahne, Parmesan.

Zubereitung: Die Steinpilze säubern (nicht waschen!) und in nicht zu kleine Stücke schneiden. Zwiebeln und Knoblauch kleinschneiden. Die Brühe erhitzen und ganz leicht köcheln lassen.

Etwas Butterschmalz/Bratolive in einer Pfanne erhitzen, ein Viertel der Zwiebeln, den Knoblauch und die Speckwürfel darin anbraten. Die Pilze hinzugeben, bei geringer Hitzezufuhr braten. Pfeffer und Salz.

Währenddessen einen bis zwei Esslöffel Butterschmalz (und/oder Bratolive) in einem Topf erhitzen, die verbliebenen Zwiebeln andünsten, bis sie etwas weich und glasig sind. Reis hinzugeben, kräftig rühren, bis er mit Fett überzogen ist. Nach wenigen Minuten mit einem Schuss Weißwein ablöschen. Verdampfen lassen. Dann eine Kelle Brühe hinzugeben, umrühren, verdampfen lassen – dies dann in der Folge bei mäßiger bis geringer Hitze mehrmals wiederholen.

Wenn der Reis gar ist (bissfest, etwa 18-20 Minuten), die letzte Kelle Brühe und die gebratenen Pilze zugeben. Nur wenig geriebenen Parmesan unterrühren (für unbedingte Käseliebhaber gibt’s eine gute Portion auf den Tisch); ich gebe noch einen Schuss Sahne an das Risotto. Nach Geschmack Pfeffer und (Vorsicht!) Meersalz. Noch einmal leicht umrühren.

 

 

November 2019

Wiesbaden: Das andere Café

Die Villa Clementine ist eine bekannte Wiesbadener Adresse. Der prächtige Bau in der Wilhelmstraße beherbergt das nach ihm benannte Literaturhaus, dessen Programmangebot von Lesungen über Diskussionsrunden bis hin zu einer Vielfalt von sonstigen Kulturveranstaltungen und Netzwerkertreffen reicht. Seit geraumer Zeit ist auch wieder das Literaturhaus-Café geöffnet. Der Besuch (Di-So, ab 10h bis 22h) sei wärmstens empfohlen. Das Villa-Ambiente, die unaufgeregte Atmosphäre, das besondere Fluidum von schon gelesenen und gerade entstehenden Büchern, die Kuchenauswahl und das freundliche Servicepersonal – es gibt Gründe genug. (19.11. Ganz aktueller Nachtrag aus traurigem Anlass: Holger Schwedler, Betreiber des Literaturhaus-Cafés und der Vinothek Wingert, ist gestern nach einem Herzinfarkt gestorben.)

 

Dezember 2019

Hausrezept Chäs' Fondue: Moitié-Moitié

Der Name sagt's schon: Halbe-halbe, Gruyère-Vacherin, 300 g-300 g  (für vier Personen; wer gute Esser zu Gast hat, der nehme insgesamt 900 g Käse). Auch wenn kein Schnee liegt, es sogar regnet und die Temperaturen weit oberhalb der Null liegen: Bei uns wird die Chäs'-Fondue-Saison Mitte/Ende November mit immer den gleichen guten Freunden eingeläutet.

Hier die Zubereitung: Den Caquelon (Ton- oder Steinguttopf) mit einer halbierten Knoblauzehe gut ausreiben (Petra, von der dieses Rezept stammt, presst die Zehe aus und lässt den Knobi im Topf!). Weißwein (0,2 l resp. 0,3 l) und etwas Zitronensaft darin erwärmen. (Gasflamme ist ideal; als Wein – auch zum Trinken – empfehle ich einen Schweizer Fendant oder Markgräfler Gutedel, da der Wein dem Käse standhalten muss.) 

Den geriebenen Käse einrühren (in zwei Portionen) und aufkochen. Einen TL Speisestärke, in etwas Wein angerührt, sowie 2 cl gutes Kirschwasser zugeben.

Nicht mehr kochen lassen. Den Caquelon auch auf dem Tisch (Rechaud) nur noch heiß halten, nicht mehr köcheln. 

Baguette, Körner-Baguette oder Roggenbrötchen (auf gute Kruste achten!) in Würfel geschnitten dazu servieren. Ein  Salat (Endivien, Feldsalat o.ä.) tut in den individuellen "Rührpausen" ganz gut.

Gude! Bon appétit!

 

 

Oktober 2019

Bendejun: Hoch hinaus und Hakan

Ein Erlebnis. Ich bin mehrere Jahre im März nach Nizza geflogen, aus beruflichen Gründen. Der Reiz der bevorstehenden Tage im meistens schon frühlingshaften Cannes wurde beim Blick aus dem Flugzeug nur durch die Vorstellung getoppt, einmal eines der Bergdörfer oberhalb der Côte d’Azur und jenseits der A8 zu besuchen.

Wir haben es im vergangenen Herbst endlich geschafft. Bendejun, 20 km von Nizza entfernt, gut 400 m über dem Mittelmeer, verteilt auf mehrere Hügel, nur zugänglich über eine schmale, marode und kurvige Straße. Bergauf wie bergab (auch ohne herbstlichen Hagelschauer) eine Herausforderung für zarte Gemüter.

Das Haus uralt, unscheinbar, verwinkelt, die letzten 50m nur zu Fuß erreichbar. Ein Schatz. Geräumig, für einen Kurzurlaub ausreichend ausgestattet. Die Einrichtung legt sofort nahe, dass ein früherer Nutzer (es stellt sich heraus: zwei Onkel des heutigen Eigentümers) viel in Nordafrika und im Orient unterwegs war. Ein reisefreudiger Mathe-Prof und ein Beamter in (post-)kolonialen Diensten. Auch deshalb gibt es eine imposante Bibliothek, die für Bücherwürmer alleine schon den Aufenthalt lohnt. Dazu ein wunderbarer Blick auf das eigentliche Dorfzentrum mit Kirche und Platz und auf die umliegenden Hügel und Täler. Als wäre das nicht genug: Hakan Nesser hat hier laut Gästebucheintrag in den Nullerjahren seine 20. Geschichte fertig geschrieben, ernsthafte Probleme mit seinem Knie gehabt und deshalb die Rückreise per Flugzeug antreten müssen. Ehefrau Elke und Hund Norton fuhren die zweieinhalbtausend Kilometer mit dem Auto alleine zurück.

 

 

September 2019

Hausrezept Latwersche

Bei uns im Odenwald heißt die Pflaumenmarmelade Latwersche (etwa so ausgesprochen: Lattweeeeersche, also anhaltende Betonung auf der zweiten Silbe), drüben im Rheinhessischen sagt man Latwersch (deutliche Betonung auf der ersten Silbe, etwa so: Latttttwersch). Beiden ist gemeinsam, dass man den Namen (wie sehr viele dialektale Wörter) aus dem Französischen herleitet: La Vierge, die Jungfrau – warum auch immer. Übrigens, geschmacklich kann keine Pflaumenmarmelade – man möchte sagen: weltweit – mit Latwersche/Latwersch mithalten. (Die Thüringer Variante ist zumindest nicht übel.)

Das Geheimnis jedes Hausrezepts ist die selbst zubereitete Gewürzmischung: Anis/Sternanis, Fenchel, Nelken, Zimt, Koriander, Kardamom, Muskat/Macis. Die Zusammenstellung kann man je nach Geschmack individuell gestalten (bei mir dominieren Anis und Macis). Zutaten im Mörser zerstoßen (im Notfall können auch fertige Pulver benutzt werden). An den Gewürzen nicht sparen, eine Espressotasse voll sollte es bei

2-3 kg Frucht schon sein.

Hier die Zubereitung: Pflaumen (empfohlene Sorte: Hauszwetschen) und normaler Zucker im Verhältnis 5:1 (in Worten: fünf zu eins!). Die Zwetschen waschen, entkernen, in einen großen Topf (mindestens 2 kg sollten es sein), Zucker dazu. Auch hier bietet sich an: ein Schuss Rotwein als erste Flüssigkeit. Erhitzen, etwa 15-20 Minuten mittlere Hitze, dann geringstmögliche Hitzezufuhr. Die Zwetschen ziehen schnell Saft. Ab und an umrühren.

Nach etwa einer Stunde die Hälfte der Gewürzmischung, nach zwei Stunden den Rest hinzufügen. Immer mal wieder umrühren. Leise köcheln lassen. Drei Stunden sollten es mindestens sein, am besten fünf oder sechs Stunden. Der Saft „verschwindet“, die Zwetschen kochen richtig ein, die Latwersche wird immer zähflüssiger und ist am Ende eher schwarz als blau. (Im Gegensatz zu anderen Marmeladen/Obstsorten braucht hier nicht püriert werden!).

Abfüllen in möglichst große Gläser (500-ml-Gurkenglas ist ideal), da die Latwersche sehr zäh fließt. Lange haltbar. Guten Appetit!

 

 

Oktober 2019

Hummer & Austern & Coquilles Saint-Jacques

Alleine deshalb lohnen Ferien an der Küste zwischen Paimpol und Roscoff. Fangfrisch, einfach oder raffiniert zubereitet, am Stück oder portioniert und mundgerecht, auf jeden Fall sehr sehr preisgünstig: ein Geschenk der Bretagne an ihre Gäste. Das gilt für alle Krustentiere, Muschelsorten und die unwahrscheinlich große Auswahl an Fischen. Auch jeder Wochenmarkt überrascht damit. Also, wer einmal in die Gegend kommt, die eigene Zubereitung scheut und gern bedient werden möchte, dem sei empfohlen: das wie ein einfaches Strandlokal daherkommende Le Macareux, auf der Halbinsel Landrellec – zwischen Trébeurden und Trégastel – gelegen. Vielfältige Leckereien, unkapriziöses Ambiente, große Terrasse, freundliche Bedienung ... und zivile Preise.

 

September 2019

Die Saison ist fast vorbei

In diesem Jahr bei der Marmeladekocherei zahlreiche bunte Kombinationen ausprobiert. Erdbeeren, Erdbeeren + Stachelbeeren; Kirschen, Kirschen + Beerenmix; Stachelbeeren; Johannisbeeren, Johannisbeeren + Erdbeeren, Johannisbeeren + Beerenmix; Aprikosen; Mirabellen, Mirabellen + Feigen, Mirabellen + Feigen + Pfirsich; Feigen; Pfirsich, Pfirsich + Feigen, Pfirsich + Beerenmix. Diesmal keine Himbeeren und noch keine Pflaumen (das spezielle Hausrezept für Latwersche steht abs sofort auf der Seite Rest der Welt). Alle Früchte aus Petras Garten.

Grundrezept: Zwei Einheiten Frucht zu einer Einheit Zucker; nach Gusto vorher ein wenig Rotwein oder passenden Schnaps/Likör in den Topf, dann hat man bereits etwas Flüssigkeit; rund fünf bis zehn Minuten kochen (Himbeeren am kürzesten, Pfirsich oder Mirabellen am längsten); ggf. pürieren; kochend heiß in Gläser gießen (Marmeladetrichter empfehlenswert); gut verschließen (heiß! Handtuch oder Küchenhandschuhe) und kurz auf den Kopf stellen; abkühlen lassen; wegräumen; übers Jahr genießen. Guten Appetit!

 

September 2019

Wiesbaden: Gut essen

Die Landschaft empfehlenswerter Restaurants ist in Bewegung. Unser Aufsteiger des Jahres ist das PAU in Kohlheck: Eine Küche, die andernorts als „mediterran-bajuwarisch“ beschrieben wird, aber tatsächlich gut schmeckt. Das Servicepersonal ist äußerst freundlich, das Ambiente einladend (im Sommer lockt zudem der Garten). Unverändert zu empfehlen ist das Weinhaus Sinz in Frauenstein mit seiner gutbürgerlichen Küche und freundlichen Bedienung. Als Absteiger fungiert das Bon Gusto in der Sonnenberger Straße, das – für uns überraschend – an gewohnter hervorragender Qualität in Küche und Service verloren hat. Das Preis-Leistung-Verhältnis stimmt nicht mehr.

 

September 2019

Wiesbaden: Feste feiern

Wiesbaden ist reich an Festen. Unser liebstes: das Weinfest, offiziell: Rheingauer Weinwoche (Anfang/Mitte August), mit einer riesigen Auswahl an Weinen und Weingütern; gemütliche und entspannte Atmosphäre (zwischen 17h und 20h auch noch gute Chancen auf einen Sitzplatz); vielfältiges Essenangebot.

In früheren Jahren gern und oft  besucht: das Kranzplatzfest (Ende Mai/Anfang Juni), ein sehr gefragter Treff mit guter Musik und etwas 70er-Jahre-Schnick-Schnack außen rum. Für Blueser, Rocker, Punker und die, die danach kamen.

Noch nie gemocht: Taunusstraßenfest und Wilhelmstraßenfest. Zu gespreizt, zu touristisch.

 

September 2019

Für die letzten Sonnentage

Irgendwann geht auch dieser Sommer zu Ende. Wer jetzt noch einmal als Wanderer oder Radler oder Sonntagsspazierfahrer Michelstadt oder Erbach im Odenwald besucht, sollte sich für die Vesper ins nahe Elsbach aufmachen. Ein Bier oder Apfelwein, dazu Kleinigkeiten, die man überall bekommt, oder eben den legendären, für das Ausflugslokal namengebenden Kochkäs'. Beim Käs' Back sitzt man wahlweise drinnen oder draußen, gern auch direkt im Wald. Im Herbst und Winter sind die Wildgerichte zu empfehlen. 

 

September 2019

Rechtsfreie Räume

Die Begegnung mit Kehrmaschinen der städtischen Entsorgungsbetriebe ist für Autofahrer eine der größten Herausforderungen in Wiesbaden. Unberechenbar, mit vielen vielen Warnleuchten und Blinklichtern, plötzlich ausscherend, ab- oder einbiegend, kehrtmachend, gegen die Fahrtrichtung steuernd. Nur die Fahrer der Regionalbusse aus dem Taunus nehmen noch weniger Rücksicht auf den fließenden resp. stehenden Verkehr. Apropos Busse: Die in Wiesbaden bereits vor mehreren Jahrzehnten eigeführten Busspuren werden von der Stadtverwaltung und Verkehrsaufsicht nicht ausreichend "verteidigt". Unbehelligt parken dort gerade zu Zeiten des Berufsverkehrs morgens Lkw und Elterntaxis, tagsüber die DHLer und UPSler dieser Welt, abends Kinogänger und Kebab- oder Thaibuden-Gäste. Ein großes Wiesbadener Übel, das an das der Überall-in-der-zweiten-Reihe-Parker heranreicht. Gern mit Warnblinker und schnoddrigem Auftreten. (Symbolfotos: Einsatzfahrzeuge als Pizzaboten)

 

September 2019

Wiesbaden international

Die Landeshauptstadt pflegt über ein Dutzend Städtepartnerschaften (hinzu kommen einige Stadtteilpartnerschaften). Die konkreten Beziehungen und Aktivitäten werden maßgeblich durch einschlägige Vereine getragen. Einer davon ist Nueva Nicaragua e.V., der seit vielen Jahren soziale und kulturelle Projekte  – Altenheim, Frauenhaus, Bibliothek, Jugendzirkus (Foto: Jasmin Wartenberg) – in Wiesbadens dortiger Partnerstadt Ocotal fördert und (mit)finanziert.

Auch mit der Beteiligung an hiesigen und mit eigenen Veranstaltungen wirbt der Verein um die Unterstützung dieser Partnerschaft.

Zum Beispiel am Abend des 1. Oktober (19:30h) mit einer Lesung und Musik im Literaturhaus Villa Clementine.

 

September 2019

Varese als Etappenort

Wer fährt schon nach Varese? Ist man am Lago Maggiore oder rund um Lugano unterwegs, taucht der Name der Stadt auf Hinweis-schildern zur Autobahn auf. Wie Mailand. Das hat mich mehrere Jahre lang verblüfft, aber nicht dazu verführt, die kaum 50 km entfernte Stadt zu besuchen. Erst auf einer Kurzurlaubsfahrt nach Nizza und auf der Rückfahrt aus Ligurien wurde Varese als Etappenort gewählt. Die alte Stadt lohnt einen Spaziergang. Der nahe Lago di Varese (Foto) ebenso. Die sanfte grüne Landschaft und die kleinen Orte rund um den See bieten sich für eine Spritztour an.

Wer Varese als Etappenort wählt, dem sei das wenige Kilometer entfernte Motel Capolago empfohlen. Preiswerte Zimmer, aus-reichendes Frühstück, freundlicher Service, günstig gelegen. Restaurant: katastrophal.  Auf empfehlenswerte Lokale komme ich bei nächster Gelegenheit zurück.