Die Bretagne am Cap Fréhel und an der Granit Rose

Sables d'Or im  Winter

Die Küste zwischen Saint-Malo und Saint-Brieuc ist in den Wintermonaten noch ländlicher und weniger besucht als in der Hochsaison. Das sei betont, weil selbst im Juli und August, von wenigen Badeorten abgesehen, die rund 100 Kilometer zwischen der weltberühmten Korsarenstadt und der Hauptstadt des Departements Côte d'Amor mehr von Sommerfrische, Familienurlaub und kleinen Dörfern geprägt sind als von überfüllten Stränden, Touristennepp und Betonburgen. Die Tage an der Côte d'Emeraude und der Côte de Penthièvre lassen sich im Winter in aller Ruhe und bei vergleichsweise milden Temperaturen (Schnee ist selten und wird sofort auf Fotos gebannt!) genießen. Ein weiteres Plus: Unsere Lieblingslokale rund ums Cap Fréhel und Sables d'Or haben auch zu dieser Jahreszeit geöffnet: Das Relais Saint-Aubin  bei Erquy und die Auberge du Manoir in Saint-Potan. 


Fundstück: Nie mehr Brest

... Noch in zehn Jahren wird sie den Tag erwarten, an dem ich wieder zu ihnen ziehe. Aber dieser Tag, Mutter, dieser Tag wird nie kommen, nie, hörst du? Und schon gar nicht jetzt, nicht nachdem ich den ganzen Familienmüll sorgfältig auf meinen Pariser Schreibtisch geleert und einhundertfünfzig Seiten über meine Familie vollgeschrieben hatte, schon gar nicht jetzt würde ich nachgeben. Im Gegenteil, eben weil ich diese Geschichte hinter mich gebracht hatte, dachte ich, dass es in diesem Jahr doch ausnahmsweise möglich wäre, Weihnachten mit der Familie zu verbringen, erst jetzt, da ich beendet hatte, was ich schließlich doch meinen '"Familienroman" nannte, könnte ich den Zug in die Gegenrichtung nehmen, von Paris nach Brest, als ob nichts geschehen wäre ...   

(aus: Tanguy Viel, Paris–Brest, 2009: deutsch: Paris–Brest, Wagenbach 2010)


Les Caps: Grand Site de France

Endlich geschafft. Seit sieben Jahren hatte man sich bemüht. Die beiden Naturschönheiten und Touristenattraktionen Cap Erquy und Cap Fréhel tragen seit dem 24. September das Label Grand Site de France. Mit diesem werden herausragende französische Naturdenkmäler ausgezeichnet. Zu diesen zählen beispielsweise imposante und einzigartige Dünenlandschaften, Bergmassive, Flussmündungen und so weiter. Bislang tragen 18 solcher Attraktionen das begehrte Label; in der Bretagne waren es bisher zwei – die Dünen auf Quiberon (Morbihan) und die Pointe du Raz (Finistère). Die Caps Erquy und Fréhel (Côte d’Armor) und der sie verbindende Küstenstreifen zählen nun als 19. Grand Site de France zu dieser illustren Gesellschaft.

 

Rezept: Crêpes

Das folgende Hausrezept stammt – wie die einleitenden Bemerkungen – von  Karl und Francoise Rüdele (merci nach Beg Léguer!).

Crêpes werden traditionellerweise mit Buchweizen hergestellt (wegen seiner dunklen Farbe auf Französisch „blé noir“, schwarzes Getreide, oder wegen der ursprünglichen Herkunft aus dem Orient „sarrazin“ genannt). Blé noir wurde seit dem 14. Jahrhundert überall in der Bretagne angebaut, da er selbst auf armen Böden einen guten Ertrag brachte. Vor allem aber schätzten die Bretonen, dass man für die Ernte der Buchweizenkörner keine Steuern bezahlen musste (Blé noir zählte als Knöterichgewächs nicht zu den abgabenpflichtigen Getreidesorten).

Zutaten für zwölf Crêpes: 250 gr Mehl, drei Eier, 1 Messerspitze Salz, 2 EL Zucker, ½ Liter lauwarme Milch, Butter zum Backen.

Zubereitung: Den dünnflüssigen Teig etwa 30 Minuten (gerne auch etwas länger) ruhen lassen. Danach den Teig (auf einer Crêpière, die in deutschen Haushalten sehr selten sein dürfte, oder) in einer flachen Pfanne dünn verteilen und ausbacken, bis er eine goldbraune Farbe erreicht. Übrigens: Für die (süßen) Crêpes kann auch das leichtere Weizenmehl verwendet werden, vor allem dann, wenn man vorher (deftige) Galettes aus dem dunklen Buchweizenmehl gegessen hat.

Die Crêpes können beliebig garniert werden: Klassisch mit Butter und Zucker („beurre-sucre“) oder mit flüssiger Schokolade oder mit Brombeermarmelade und Schlagsahne (ein Gedicht!) oder mit Vanilleeis und Orangelikör (flambiert?) oder mit Vanilleeis, Mandelsplittern, Schlagsahne und in Rum getränkten Rosinen. Die Crêpes lauwarm servieren. Bon appétit!

 


Fundstück: Tréboul nirgendwo

… Kurzum, unsere Franzosen nehmen uns mit nach Tréboul zum schönsten Strand der Bretagne, wie sie meinen, wohl weil „unser Franzose“ vor vielen Jahren, wie er mir ins Ohr flüstert, mit einer „bildschönen“ Studentin in Tréboul weilte, während „unsere Französin“ meiner Frau unter Wahrung der äußersten Diskretion anvertraut, sie sei einmal „in Begleitung“ hier gewesen. Also fahren wir nicht an einen Ort, das kleine Tréboul mit seinem eher niedlichen Strand zwischen zwei felsigen Landzungen und ein paar hingewürfelten Häusern, von denen eins sogar nach Hotel aussieht, nein, wir fahren an zwei Orte, die miteinander nichts gemein haben, das Tréboul im Kopf „unseres Franzosen“ und das Tréboul aus den schönsten Erinnerungen „unserer Französin“. Wobei mich einzig und allein interessiert, in welchem Verhältnis der Strand von Tréboul zu dem von Cabourg steht, weiter im Norden, wo Proust mehrere Sommer verbrachte und den er mit seinem Schreiben in einen Ort verwandelte, der sich auf keiner Landkarte findet …

(Bora Cosic, Rasulo 1991; dt.: Im Zustand stiller Auflösung, Schöffling & Co. 2018)

 

 

Rezept: Far Breton

Ein Klassiker. Eines meiner Lieblingsdesserts (das auch außerhalb der Reihe – z.B. als Kuchen am Nachmittag – genossen werden kann). Wer den Far nicht kennt und eine grobe Orientierung benötigt: irgendwo zwischen (festem) Pudding und einem mächtigen Käsekuchen.

Hier die Zutaten und gleich die Zubereitung: Vorweg Backpflaumen (nach Wunsch!) in Rum, Armagnac o.ä. einweichen. Jetzt aber. Gesiebte 200g Mehl, 120g Zucker und eine gute Prise Salz in einer Rührschüssel mischen, eine Kuhle bilden, sechs Eier dazugeben; nun wirklich gut verrühren. Einen Liter Milch (und darin: 50g Butter) erwärmen und dann nach und nach in kleinen Portionen zum Teig geben, gut unterrühren. Das Ganze in eine gebutterte Backform (Springform, aber dicht!) oder Auflaufform, 150g Backpflaumen dazu geben (und leicht versinken lassen).

Vorgeheizter Backofen (180°). Eine Stunde Geduld haben. Lauwarm oder kalt genießen! Bon appétit! (Reicht für sechs Personen; wenn ich dabei bin, auch mal nur für vier.)