Erzählungen & Romane & Sonstiges

Golle – Kindheitserinnerungen 1955-1965

Die Idee zu diesem Buch wurde im Frühjahr 2020 geboren, auf dem Rennrad, im Ried, während der Durchfahrt durch Goddelau. Diese Tour hatte ich in den vergangenen Jahren regelmäßig gemacht – in der Regel im Frühling und wegen des flachen Geländes, das den Saisoneinstieg erleichtert. Alles in allem jedes Jahr fünf oder sechs Mal zwischen Februar und Mai. Eine Rückkehr.

1965 zogen meine Eltern, meine Schwester, mein damals erst dreijähriger Bruder und ich wieder dorthin, woher die Familie 1955 nach Goddelau zugezogen war: nach Erbach im Odenwald. Ins Ried kamen wir aus beruflichen Gründen – mein Vater war Eisenbahner, und Goddelau-Erfelden war ein relativ wichtiger Bahnhof.

Der Abschied von Goddelau war für mich und meine zwei Jahre jüngere Schwester Astrid sowie vor allem für unsere Mutter ein schwerer, trauriger Abschied. Für mich war es der Abschied von meiner Kindheit – also auch von all den Freunden und Nachbarn, vom Fußball in der TSV-Jugend, von den Straßen, vom Schwimmbad, von geheimen Verstecken, den ersten Kippen und von der ersten Freundin. Abschied von all dem, was mich bis 1965 – also sozusagen das ganze bisherige Leben lang – begleitet und geprägt hatte.

Zurück aufs Rennrad. Bei den diesjährigen Touren habe ich genauer auf Details geachtet, zum Beispiel auf verschwundene Geschäfte und Gaststätten. Ich erinnerte mich an den Aushangkasten der Fußballer und den Kartoffelacker, auf dem ich meine ersten Markstücke verdient hatte. Ich hatte schon in den Jahren zuvor die alten Wohnadressen von Schulkameraden und beliebten Mädchen angesteuert – meist vergeblich. Ich habe den Hof des in meiner Erinnerung reichsten Bauern und die Adresse der nach meiner Erinnerung vermutlich ärmsten Bauernfamilie wiedergefunden. Ich wusste noch, wo es das beste Eis und wo es das billigere Wassereis zu kaufen gab. Meinen Kindergarten und die Volksschule fand ich am gewohnten Ort, das Kino war verschwunden, wie unsere Apotheke. Der Friseurladen war noch da! Überhaupt: Die örtlichen Koordinaten haben sich in den vergangenen mehr als fünfzig Jahren erheblich verschoben

Zum Buch muss unbedingt gesagt werden: Es speist sich aus meinen Erinnerungen, aufgefrischt durch die erwähnten Durchfahrten mit dem Rad. Ich sage dies deshalb, weil Erinnerungen trügen – trügen können oder gar trügen müssen. Ich habe in den seit 1965 vergangenen 55 Jahren nur drei kurze Gespräche in Goddelau geführt. Zwei davon eher zufällig im Frühsommer 2020. Ich bin im Grunde genommen 1965 gegangen und 20230 zurückgekehrt. Ich habe mich deshalb bei der Niederschrift bewusst dafür entschieden, nicht extra vor Ort genauer zu recherchieren. Zwei in der Stadtbücherei ausgeliehene Fotobände (die kaum Abbildungen aus den mich interessierenden Jahren enthielten) und vor allem drei Alben unserer Familie (denen die in diesem Buch veröffentlichten rund 40 Fotos entnommen sind), wurden zu visuellen Stützen und Krücken, die mir halfen, mich meiner Erinnerungen zu vergewissern.

Das vorliegende Buch soll mit all seiner Unvollständigkeit und seinen Ungenauigkeiten vor allem eins sein: ein Erinnerungsbuch an eine schöne Kindheit. An zehn Jahre in einem so nicht mehr existierenden Dorf. Jahre, die offenbar so erlebnisreich und eindrucksvoll waren, dass ich bis heute den Preis für einen Dreipfünder oder drei Schoppen Milch erinnere, sehr viele der Namen meiner 46 Mitschüler und Mitschülerinnen (und die der TSV-Jugendmannschaften C II und C I) aufsagen kann, und Haus und Hof darauf verwetten würde, wo Hartung VIII über dem Eingang eines Haushaltswarengeschäfts geschrieben stand, und in welchem Schuppen ich zum ersten Mal von Akim und Sigurd gelesen habe.

Es hat immer einen Grund, dass wir uns an manches gern, an anderes eher ungern erinnern. Und es gibt eben auch Erinnerungen, die mit den Jahren immer wieder neu gedacht, erzählt, verfestigt oder verändert werden. Das Vergangene ist verschwunden, es wird immer nur erinnert. Wie ein Puzzle werden die Realität und die Erinnerung immer wieder neu zusammengesetzt, beeinflusst vom Heute. So bleibt es auch nicht aus, dass manches nicht nur aus der Wirklichkeit verschwindet, sondern eben auch aus der erinnerten Vergangenheit – aus unserer persönlichen Erinnerung.

Das Buch wurde auch deshalb geschrieben.

 

Golle – Eine Kindheit in Goddelau (Ried) 1955-1965 (ISBN 9783752629088; 106 Seiten, reich bebildert, 9,90 Euro) ist über jeden guten Buchladen oder über www.bod.de/buchshop und  andere Onlinehändler zu beziehen.

Wiesbaden, das Taubertal, Zürich, Eltville, Berlin, Rothenbaum, der Bodensee

Im August 2020 erschienen: Drei neue Geschichten, die mit allerhand Personal aufwarten und auch noch weitere Schauplätze bespielen: die Côte de Granit Rose, den Balaton, Usedom und die Müritz, die Westschweiz und Karl-Marx-Stadt, London und Cuxhaven.

 

Frühstück im Café. Eine zufällige Begegnung, aus der ein regelmäßiges Wiedersehen wird. Eine flüchtige Bekanntschaft, die einem Paar viel verspricht. Grenzen werden erkundet, Erwartungen auf die Probe gestellt.

Zürcher Episoden. Ein Platzregen löst die Schreibblockade einer Autorin und wirbelt die Tagesroutine von fünf Männern und fünf Frauen durcheinander. Zufällige Paarungen voller Überraschungen.

Die Villa am Rhein. Drei Paare auf dem Weg zu einem Wochenende im Rheingau. Eine langjährige Männerfreundschaft, illegaler Kunsthandel in der Vor- und Nachwendezeit, eine den drei Frauen unbekannte junge Fotografin. Wechselvolle Lebensgeschichten, die im Nachher fortgeschrieben werden.

Drei Erzählungen, die die Tragweite flüchtiger Begegnungen, das Zufällige im Alltagsgeschehen und die Unmöglichkeit des Vergessens ausloten. Geschichten über Gier und Begierde, Enttäuschung und Glück.

 

Die Villa am Rhein (ISBN 9783751969949; 212 Seiten, 8,90 Euro; auch als E-Book erhältlich) ist über jeden guten Buchladen oder über www.bod.de/buchshop und  andere Onlinehändler zu beziehen.

 

Leseeindrücke: Die Villa am Rhein

Es sind illustre Paare, die der Einladung in eine idyllisch am Rhein gelegene Villa folgen. Kunstbeflissene Genussmenschen, die sich auf das Wochenende im Rheingau freuen. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten offenbaren sich bei jedem von ihnen Brüche: Wer hat hier wen mit wem betrogen? Welche Rolle spiel der abwesende Hausherr beim Handel mit Kunst? Und ist die wirklich echt? Und schließlich: Wurde seine Tochter von seinem Geschäftspartner missbraucht?

Es sind zum Teil sehr bittere Fragen, die hinter der schillernden Fassade von Reichtum und erlesenem Geschmack lauern. Der Wiesbadener Autor Albert Engelhardt wirft sie in seiner titelgebenden Erzählung Die Villa am Rhein auf. (...)

Ihn interessieren vor allem Paarbeziehungen, aber auch Flüchtigkeiten und Zufälle. Beides spielt auch eine Rolle in der ersten Erzählung seines Bandes, Frühstück im Café. Zwei Menschen lernen sich hier kennen – und verpassen die Chance auf eine Beziehung. Hier hat man deutlich eine Szenerie aus Wiesbaden vor dem geistigen Auge. (...)

Sein neues Buch liest sich nicht nur durch das Lokalkolorit spannend. Warum eigentlich spielt es im Rheingau? "Mich hat der Kontrast zwischen der sanften Landschaft und den bösen Geschichten hinter den Figuren interessiert." Ein reizvoller Kontrast, der den Band gut trägt, dessen Rätsel im Kopf des Lesers weitergesponnen werden.

Birgitta Lamparth, Wiesbadener Kurier, 25. 9.2020

 

Ich hab sie gelesen, deine Erzählungen, und gestern dann noch ein zweites Mal. Bemerkenswert finde ich vor allem ihre Form, die beinahe etwas Marionettenhaftes hat, etwas in der personalen Kommunikation puppenspielerisch Verknapptes, und sehr gut mit dem Inhalt gewissermaßen in einem dialektischen Werden (250 Jahre nach Hegels Geburt) zu einem gelungenen (Nicht)ganzen führt. Worin eben dann auch die Stärke liegt. Wie sagte schon Hugo von Hofmannsthal? "Die Tiefe muss man verstecken. Wo? An der Oberfläche." Schon ziemlich gekonnt, was du da in Worte gefasst hast. Corby, Wiesbaden

 

Übrigens: Der von Alphonse und Bettina gewählte Meersburger Wein (Die Villa am Rhein) war ausgezeichnet. Ich habe ihn mit meiner Frau zusammen getrunken. Und die zweite Geschichte (Zürcher Episoden) habe ich auch gelesen und sie hat mir sehr gut gefallen. Toll fand ich ganz besonders die verschiedenen Ebenen, mit denen Du spielst, und die Auflösung am Schluss. Klaus, Greifswald

 

Inzwischen habe ich Die Villa am Rhein gelesen und bin ziemlich angetan. Du hast einen sehr scharfen Blick auf zwischenmenschliche Beziehungen. Die erste Geschichte (Frühstück im Café) fand ich bittersweet. Sie hat mich an meine Lieblingsgeschichte (Place de la Bastille, 17:30h) in Blicke und Begegnungen erinnert. Die Mischung aus leiblichem Genuß, Sehnsucht und undefinierbarer Begierde bekommst du richtig gut hin.

Die Titel-Story Die Villa am Rhein, liest sich spannend, weil vieles nur angedeutet, und der eigenen Phantasie Raum überlassen wird. Deine Sprache ist wunderbar und ausdrucksstark. Ich habe mich gefragt, was mit Sara eigentlich wirklich passiert ist. Aber vielleicht habe ich da auch etwas überlesen... (...) Congratulation zur Besprechung im Wiesbadener Kurier. Weiter so... Doris, Auckland

 

Die Villa am Rhein ist eine längere von drei Erzählungen in einem Buch gleichen Titels von Albert Engelhardt. (Er) beschreibt darin Beziehungen von drei recht unterschiedlichen Paaren und Momente der Begegnung in besagter Villa am Rhein. (...) Rückblenden auf frühere Zeiten, illegaler Kunsthandel in Vor- und Nachwendezeiten, Männerfreundschaften, dunkle Geheimnisse, eine gute Portion Sex und extravagante Charaktere machen die Erzählung zu einem besonderen Lesegenuss... Engelhardts Schreibstil ist angenehm und fesselnd.

Auch die weniger lange Erzählung Frühstück im Café folgt einem ungleichen Paar über eine gewisse Lebensstrecke, beschreibt Szenen des Näherkommens und des Sich-Entfernens. Beide Erzählungen zeigen, dass Albert Engelhardt offene Geschichten liebt... (...)

Die dritte Erzählung Zürcher Episoden schildert zufällige Paarungen voller Überrraschungen. (...)

Christa Kaddar, Rheingau Echo, 15.10.2020

Neun Geschichten: Blicke und Begegnungen

Flüchtige Begegnungen können ein Leben verändern. Manche bleiben unbemerkt. Die in diesem Band erzählten neun Geschichten handeln von diesen und noch mehr Möglichkeiten. Sex and Crime, Träume und Illusionen, Poesie und Alltag. Eine Zugfahrt, ein Haus auf Lanzarote, ein Schaukelstuhl und ein Schreibtisch. Ein ganzes Leben. Eine Bibliothekarin und ein ehemaliger Kirmesboxer, Kommissar Maigret und Bella Block, eine geheimnisvolle Bretonin und ihr junger deutscher Liebhaber, Alenka und ihre dankbaren Männer. Sie alle und viele andere erleben die Flüchtigkeit einer Begegnung, erinnern sich eines Blicks und finden darin vielleicht sogar ihr Glück.

Neun Erzählungen sind in meinem gerade erschienen Band Blicke und Begegnungen (BoD 2020, 216 Seiten, 8,90 Euro, E-Book: 5,49 Euro; ISBN 9783750430945) versammelt. Drei der Geschichten wurden bereits 1993 geschrieben, die sechs anderen entstanden im Sommer und Herbst 2019. Die Titel der Erzählungen lauten: Place de la Bastille, 17:30h; Haus Nummer fünf; Der Junge mit der Luftpumpe; Verlorene Zeit; Alenka; Begegnung am Cap Fréhel; Krasnodar – Cannes; Puzzleteile, mörderische; Der ergaunerte erste Kuss.

Der zum  Jahresbeginn 2020 erschienene Band ist über jeden guten Buchladen zu beziehen oder über www.bod.de/buchshop und fast jeden anderen Onlinehändler.

 

Leseeindrücke: Blicke und Begegnungen

Deine Blicke und Begegnungen finde ich sehr gelungen und ich habe sie sehr neugierig gelesen: wehmütig (Haus Nummer fünf), lustig (Alenka), überraschend, spannend, raffiniert (Puzzleteile, mörderische) (…) Und dann soooo viel geliebte französische Luft, ein Latwerschebrot, der Abstieg beim Wandern, dein Blick für Schuhe, das Ende der BH-losen Zeit, der freche Spatz, BEA im Zug, beflissene VHS-Frauen … und noch Vieles mehr. Glückwunsch!

 

(…) Als erstes habe ich die Geschichte, die du den LZ-Kolleginnen gewidmet hast, gelesen (Verlorene Zeit). Ich musste ein paar Mal laut auflachen. Die Pflaumenmarmelade ist natürlich etwas ganz anderes als Latwersche. Köstlich! Die Werbe- und Marketingsprache hast du gut getroffen, ebenso die entrüstete Feministin. Lese ich richtig, dass die LZ dich vor dem Wahnsinn gerettet hat? (…) Als nächste habe ich die erste Geschichte (Place de la Bastille, 17:30h) gelesen. Die fand ich sehr berührend, ja eigentlich richtig romantisch. Und sehr genüsslich, wie du das Essen beschrieben hast. (…) Ich hatte mittlerweile Zeit, weitere Geschichten aus Blicke und Begegnungen'zu lesen. Die Elodie-Story (Haus Nummer fünf) hat mich sehr traurig gestimmt, während die wirklich düstere Geschichte vom Jungen mit der Luftpumpe mich auch zum Lächeln gebracht hat. Die Puzzleteile, mörderische habe ich nicht so richtig kapiert. (…) Mir gefällt dein Schreibstil, deine frankophile Ader schimmert in fast jeder Geschichte durch.

 

Deine Blicke und Begegnungen habe ich mit Interesse und Spaß gelesen. Überraschend war, dass ein "prächtiger Hintern" (Begegnung am Cap Fréhel) sich irgendwo hinsetzen kann. Was ist mit dem Rest, der an dem Hintern dranhängt, lungert der woanders rum? Hat es der besser als der Hintern? Ist dir so ein Einzelteil schon mal begegnet? Man lernt halt nie aus. (…)

 

Blicke und Begegnungen: Gerade Verlorene Zeit gelesen. Der Duktus gefällt mir. Holt mich ab. Ein Jahr des Übergangs. Von Proust zum Point of Sale. Wahnsinn. Ein autobiografischer Entwicklungsroman in Tagebuchform.

 

Ich habe mittlerweile einige Geschichten aus deinen Blicke und Begegnungen mehrfach gelesen und bin zu dem Schluss gekommen, dass die erste Story (Place de la Bastille, 17:30h) meine Lieblingsgeschichte ist. Sie ist einfach wunderbar, poetisch, kulinarisch, politisch und sehr menschlich. 

 

Die Illusion der Wolkenschieber

Auch Illusionen und Träume geben uns die Kraft, das Weite zu suchen und das Gewohnte zu verlassen. Vom Marktplatz einer kleinen Stadt über den Campus einer Universität bis zum bretonischen Cap Fréhel führt der Weg von zwei Freunden und ihren "petites amies". Am Ende dieser mehrmaligen Reise über drei Jahrzehnte sind sie andere geworden. Ihre Wege haben sich getrennt, ihre Freundschaft hält.

Enttäuschungen und Sehnsüchte führen zum Streit und sind ihnen doch gemeinsam. Alte Liebe hält dem Stand. Beruf und Familie fordern ihren Tribut. Neue Liebe lockt. Die Welt hat sich verändert. Und die Träume der nachgewachsenen Generation sind andere als die der mittlerweile Alten, und sie gleichen sich vielfach doch.

Was 1977 mit der ersten Frankreich-Tour in einem klapprigen R4 begann, endet 2007  mit einem wunderbaren Abend im Kreis alter und neuer Freunde.

Albert Engelhardt, Die Wolkenschieber oder Drei Sommer am Cap, BoD 2018, 412 Seiten, 12,90 Euro (E-Book 9,49 Euro), ISBN 978-3-7528-2828-3. Zu beziehen über: www.bod.de/buchshop

und in jedem guten Buchladen.


Leseeindrücke: Wolkenschieber

Besonders beeindruckt haben mich die Begegnung zwischen A. und Jules (Zweifel und Verzweifeln) und die Beschreibung des Dicken Daumens (was dieser Stein so alles erlebt haben mag). Auch die Gedanken zu den Leerräumen (zwischen Bierdeckeln, Markstücken und Sandkörnern) oder zum Formationswechsel (Wolken, Gesellschaft) fand ich ausgefallen (…) Noch ein Eindruck zur diffizilen und aufrichtigen Männerfreundschaft zwischen A. und B.: sehr realistisch, auch das Gefühl von C., davon ausgeschlossen zu sein. Regina P., Rottenburg

 

Am Anfang haben mich die vielen Attribute gestört, die geradezu jedem Substantiv zugeordnet sind. Weiß nicht, ob ich mich im Laufe des Lesens daran gewöhnt habe – oder ob es später weniger geworden sind. (…) Insgesamt war es ein Spaß, das Buch zu lesen, und ich habe mir auch schon zum Verschenken an ‚alte Freunde‘ Nachschub bestellt.“ Heike H., Ludwigshafen

 

Sehr gefallen hat mir der Schluss, wo die Stille durch das Zittern der Pappeln durchbrochen wird. Toll auch das Bild von den Zwischenräumen, die keine Leerräume sind. Gefallen hat mir das Bild von all dem Unausgesprochenen, dem Schwemmsand, in dem Connie fürchtet zu versinken. Und ebenfalls Connie, die die glücklichste oder die unglücklichste Frau der Welt wäre, wenn sie sich damals auf Dora eingelassen hätte, und nun beides nicht ist. Ein Gedanke, der mich inspirierte, wie auch das Bild von den Fischern, denen ihre gelben Schürzen und Gummihandschuhe irgendwie das Männliche nahmen. Holger Oe., Hollenstedt

 

Einige Passagen fand ich verstörend (der Mann, der sich aufhängt; die Pornokiste, die Kriegsbilder enthält; Bennos Verschwinden), doch sie regen zum Nachdenken an. (…) Die Landschaftsbeschreibungen fand ich exzellent. Optimistisches Ende. Das gefällt mir.  Doris E., Auckland

 

Und ebenso distanziert wie seinen Protagonisten widmet sich Engelhardt seiner Heimatstadt und vermeidet es so, in eines der üblichen Muster der Beschreibung jugendlicher Heimat zu verfallen: Wenn Engelhardt beschreibt, wie sich das Leben in der Kleinstadt jener Jahre fast vollständig um das Graf-Franz-Denkmal auf dem Marktplatz dreht, oder an die schon im Stadtbild ersichtliche Unterprivilegierung der in den Odenwald gekommenen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert, dann taugt das weder als Verriss noch als Schönfärberei. Gerhard Grünewald, Odenwälder Echo, 23.10.2018

 

Das andere Land und die Anderen

1990. Eine junge Frau kommt im Frankfurter Stadtteil Bockenheim zu Tode. Unfall oder Mord? Drei Männer geraten in Verdacht. Sie kannten bis zu dieser Septembernacht die Tote nur flüchtig oder  garnicht. Auch die drei Männer hatten sich erst am Nachmittag auf einem Straßenfest und während des anschließenden Kneipenabends kennengelernt. Es sind Frauen, die sich um das Gedenken und die Aufklärung des Kriminalfalls bemühen. Vergebens.

2015. Der viele Jahre zurückliegende Todesfall erregt erneut die Gemüter. Es ist von einem  Roman die Rede, der die Stunden und Tage vor dem vermeintlichen Mord minutiös beschreibt. Die drei ehedem verdächtigten Männer geraten  ins Visier eines ehemaligen Kriminalbeamten. In Maastricht und Hamburg, Berlin und Manavgat und natürlich immer noch in Bockenheim machen sich der Ermittler und die drei Männer getrennt von einander auf die Suche. Ihre Erinnerungen sind verblasst, ihr Gewissen meldet sich. 

1990/2015. Nicht nur zahlreiche unmittelbar oder indirekt Beteiligte verbinden die Jahre 1990 und 2015. Auch das, was landläufig "die Flüchtlingsfrage" oder noch ausgrenzender "die Asylantenflut" genannt wird und das Land und seine Menschen auf die Probe stellt, gehört zu den zweieinhalb Jahrzehnten, die mein Roman Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker  (ISBN 978-3-7412-7576-0, BoD 2019, 487 Seiten, 14,90 Euro (E-Book 9,99 Euro) durchschreitet. Es überrascht, wie wenig neu manche gegenwärtig so heftig umstrittene Herausforderung ist. Und es gibt zu denken, dass Humanität, Menschenrechte und Solidarität heute aktiver und sichtbarer als vor 25 Jahren gelebt und verteidigt werden müssen.

Zu beziehen über: www.bod.de/buchshop

und in jedem guten Buchladen.


Leseeindrücke: Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker

(...) Es ist ein feuchtfröhlicher Abend am Kurfürstenplatz. Er beginnt als Straßenfest, er endet mit einer Bluttat im Morgengrauen. Die lebenslustige Polin Lydia erlebt den nächsten Tag nicht. Drei Männer haben Motiv und Gelegenheit, die Tat zu begehen. (...)

Der Wiesbadener Autor hält die Spannung über 485 Seiten aufrecht. Er nutzt dazu einen Kunstgriff: Das andere Land ist nicht nur ein Krimi. Das Buch überbrückt 25 Jahre Bockenheimer Geschichte. Es ist eine Milieustudie, auch ein Zeugnis der Stadtentwicklung. (...)

Wie nimmt eine Gesellschaft neue Bürger auf? Als Bereicherung, als Bedrohung? Und selbst wenn Neuankömmlinge willkommen sind, wie kann Integration gelingen? Engelhardt spielt mit diesen Ebenen, hat dem Werk den despektierlichen Zusatz Siesta am Kanakenbunker verliehen. Das Asylantenheim steht im Buch als Mahnmal, auch als Widerspruch zum so weltoffen und herzlich wirkenden Bockenheim. Zeigt auf, dass manches Fassade ist.

Atemberaubend ist, wie sich der Stadtteil wandelt. Wo gebaut wird, wie sich die Namen der Kneipen über die Jahre ändern, dabei ist es immer der gleiche Laden. Mit der Bausubstanz ändern sich auch die Milieus im Stadtteil. Neue Generationen rücken nach, erobern sich Wege und Plätze. (...)

Engelhardt schafft es, die Figuren lebendig werden zu lassen, indem immer wieder andere Protagonisten als Erzähler einspringen und ihre Sicht der Dinge schildern. Sympathisch auch: Irgendein Protagonist hat immer eine FR dabei. George Grodensky, Frankfurter Rundschau (Lokalausgabe, 7.4.2020)

 

Gerade habe ich Das andere Land ausgelesen. Sehr schön geschrieben. Thema von heute beobachtet durch Leute von heute. Die Leute sprechen, nicht der Autor. Wäre sonst auch ein politisches Statement, Essay oder oberlehrerhafter Aufsatz geworden. Der Aufbau ist durchdacht und gelungen. War es Mord, und wenn ja, wer ist der Täter bleibt nicht direkt beantwortet, so wie die Frage nach der Identität von Jenny Udvardy. Wer genau gelesen hat, weiß natürlich die Antworten. (...) Die Beschreibung der Örtlichkeiten – teils auch deren jüngere Geschichte – ist wunderbar. Habe selbst in Bockenheim gelebt. Einmal in der Basaltstrasse am Hessenplatz (Studentenbude) und später noch einmal in der Adalbertstrasse in einer Maisonette in der Ladengalerie, also jeweils in Bas Bockenheim. Ein Studienkollege, zu höherem bestimmt, hatte eine Villa in Haut Bockenheim. Großes Lesevergnügen! kja

 

Deinen Krimi Das andere Land fand ich sehr spannend, zuweilen lustig, manche Sätze ein wenig überfrachtet mit Informationen bzw. vollgepackt mit Ergänzungen... Alles in Allerm habe ich den ersten Teil verschlungen, mich keine Minute gelangweilt, und ich bin schon gespannt, wie er weitergehen wird. Die Arbeit mit den verschiedenen Perspektiven finde ich gut und einfühlsam und nachvollziehbar geschrieben – fand ich schon im Wolkenschieber-Roman so. Elke, Aachen

 

Bei deinem Buch Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker beeindruckt mich besonders die Form des Geschriebenen; genauer gesagt die gefundene Erzählstruktur, die es dir möglich macht, zahlreiche verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Milieus über einen 25 Jahre umfassenden Zeitraum hinweg in einen komplexen Handlungszusammenhang plausibel einzubinden. Das muss man erstmal hinbekommen. Wenn dabei dennoch das eine oder andere mysteriös und rätselhaft bleibt, tut das der Sache keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil gewinnt der Roman dadurch geradezu. Denn dass nicht alles offen auf der Hand liegt (und damit langweilig wäre), fordert die Leser und Leserinnen auf eine spannende Weise heraus und bietet ihnen damit Raum für ihren eigenen Erkundungsdrang. So jedenfalls ging es mir.

Und wenn ich nun noch gefragt würde, welche der Romanfiguren ich gern mal näher kennenlernen möchte, würde ich mich für die geheimnisvolle Jenny Udvardy entscheiden, um ihr bei einem Essen im Frankfurter Restaurant "Weinsinn" noch genauer auf die Spur zu kommen. Corby, Wiesbaden

 

(...) Ich mag deinen Ton, die Art, wie du Menschen, Landschaften und Paarbeziehungen beschreibst. Eine schwer zu definierende Mischung aus Poesie und Nüchternheit. Dem Franfurt-Bockenheim der 1990er Jahre hast du in dem Kriminalroman Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker ein Denkmal gesetzt. (...) cvs, IZ-Inside vom 4.2.2020

 

Ich habe Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker mit Interesse und Freude gelesen, es hat Spaß gemacht. Du hast eine gute und lebendige Schreibe. Ja bestimmte Entwicklungen scheinen nach 25 Jahren – wenngleich in anderem Umfeld und dadurch auch anders – wieder hochzukommen, Menschen entwickeln und verändern sich, wohin auch immer (z.B. der Gewerkschafter oder auch die Geflüchteten von 1990). Hilfe wird geleistet, was aber auch für die Helfenden eine eigene Dynamik entwickelt. Die Kinder werden erwachsen und bewegen sich in eine Welt, in der Vieles irgendwie im Fluss ist …, auch die Erwachsenen von 1990 und ihre Beziehungen.

Die Entwicklungen im von dir dargestellten Milieu sind anschaulich. Das macht es auch zu einem interessanten Buch, das gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und darstellt, die ökonomischen Veränderungen hätten vielleicht noch etwas konkreter einbezogen werden können.

Mir gefällt zum Beispiel die Figur des Herbert Böckelmann. Eine Figur, die man so oder ähnlich aus den 70er oder 80er Jahren irgendwie kennt, zurückgezogen, bei Mutti lebend, wenig Eigeninitiative und Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen. Der dann aber mit der – auch vom Berufsleben geforderten – Dynamik der 90er Jahre sich weiterentwickelt und für sich selbst auch neue Ufer erschließen kann. Überhaupt werden so durch den „Bogen“ von 1990 bis 2015 die Veränderungen in verschiedenen Milieus sichtbar. Die Bockenheimer Szene (mit der ich mich nicht auskenne) wirkt gut beobachtet und erinnert. Ich finde auch gelungen, wie Du mit der Geschichte immer wieder an diese Bockenheimer Szene und dieses Milieu (z.B. die Kneipen) anknüpfst.

Der unaufgeklärte „Mord“ erlaubt immer wieder eine Rückblende auf 1990, die auch die Entwicklung der handelnden Personen verdeutlicht. Das Erscheinen der Texte von Jenny Udvardy erscheint mir allerdings unnötig. Es suggeriert, dass es in diesem Fall so etwas wie „die Wahrheit“ geben könnte und lässt wenig Raum für die Entwicklung der Erinnerungen der handelnden Personen, potentieller Mörder oder Totschläger oder anderer Anteilnehmender. Werner M., Wiesbaden