Erzählungen & zwei Romane

Neun Geschichten: Blicke und Begegnungen

Flüchtige Begegnungen können ein Leben verändern. Manche bleiben unbemerkt. Die in diesem Band erzählten neun Geschichten handeln von diesen und noch mehr Möglichkeiten. Sex and Crime, Träume und Illusionen, Poesie und Alltag. Eine Zugfahrt, ein Haus auf Lanzarote, ein Schaukelstuhl und ein Schreibtisch. Ein ganzes Leben. Eine Bibliothekarin und ein ehemaliger Kirmesboxer, Kommissar Maigret und Bella Block, eine geheimnisvolle Bretonin und ihr junger deutscher Liebhaber, Alenka und ihre dankbaren Männer. Sie alle und viele andere erleben die Flüchtigkeit einer Begegnung, erinnern sich eines Blicks und finden darin vielleicht sogar ihr Glück.

Neun Erzählungen sind in meinem gerade erschienen Band Blicke und Begegnungen (BoD 2020, 216 Seiten, 8,90 Euro, E-Book: 5,49 Euro; ISBN 9783750430945) versammelt. Drei der Geschichten wurden bereits 1993 geschrieben, die sechs anderen entstanden im Sommer und Herbst 2019. Die Titel der Erzählungen lauten: Place de la Bastille, 17:30h; Haus Nummer fünf; Der Junge mit der Luftpumpe; Verlorene Zeit; Alenka; Begegnung am Cap Fréhel; Krasnodar – Cannes; Puzzleteile, mörderische; Der ergaunerte erste Kuss.

Der zum  Jahresbeginn 2020 erschienene Band ist über jeden guten Buchladen zu beziehen oder über www.bod.de/buchshop und fast jeden anderen Onlinehändler.

 

Die Illusion der Wolkenschieber

Auch Illusionen und Träume geben uns die Kraft, das Weite zu suchen und das Gewohnte zu verlassen. Vom Marktplatz einer kleinen Stadt über den Campus einer Universität bis zum bretonischen Cap Fréhel führt der Weg von zwei Freunden und ihren "petites amies". Am Ende dieser mehrmaligen Reise über drei Jahrzehnte sind sie andere geworden. Ihre Wege haben sich getrennt, ihre Freundschaft hält.

Enttäuschungen und Sehnsüchte führen zum Streit und sind ihnen doch gemeinsam. Alte Liebe hält dem Stand. Beruf und Familie fordern ihren Tribut. Neue Liebe lockt. Die Welt hat sich verändert. Und die Träume der nachgewachsenen Generation sind andere als die der mittlerweile Alten, und sie gleichen sich vielfach doch.

Was 1977 mit der ersten Frankreich-Tour in einem klapprigen R4 begann, endet 2007  mit einem wunderbaren Abend im Kreis alter und neuer Freunde.

Albert Engelhardt, Die Wolkenschieber oder Drei Sommer am Cap, BoD 2018, 412 Seiten, 12,90 Euro (E-Book 9,49 Euro), ISBN 978-3-7528-2828-3. Zu beziehen über: www.bod.de/buchshop

und in jedem guten Buchladen.


Leseeindrücke: Wolkenschieber

„Besonders beeindruckt haben mich die Begegnung zwischen A. und Jules (Zweifel und Verzweifeln) und die Beschreibung des Dicken Daumens (was dieser Stein so alles erlebt haben mag). Auch die Gedanken zu den Leerräumen (zwischen Bierdeckeln, Markstücken und Sandkörnern) oder zum Formationswechsel (Wolken, Gesellschaft) fand ich ausgefallen (…) Noch ein Eindruck zur diffizilen und aufrichtigen Männerfreundschaft zwischen A. und B.: sehr realistisch, auch das Gefühl von C., davon ausgeschlossen zu sein.“ Regina P., Rottenburg

„Am Anfang haben mich die vielen Attribute gestört, die geradezu jedem Substantiv zugeordnet sind. Weiß nicht, ob ich mich im Laufe des Lesens daran gewöhnt habe – oder ob es später weniger geworden sind. (…) Insgesamt war es ein Spaß, das Buch zu lesen, und ich habe mir auch schon zum Verschenken an ‚alte Freunde‘ Nachschub bestellt.“ Heike H., Ludwigshafen

„Sehr gefallen hat mir der Schluss, wo die Stille durch das Zittern der Pappeln durchbrochen wird. Toll auch das Bild von den Zwischenräumen, die keine Leerräume sind. Gefallen hat mir das Bild von all dem Unausgesprochenen, dem Schwemmsand, in dem Connie fürchtet zu versinken. Und ebenfalls Connie, die die glücklichste oder die unglücklichste Frau der Welt wäre, wenn sie sich damals auf Dora eingelassen hätte, und nun beides nicht ist. Ein Gedanke, der mich inspirierte, wie auch das Bild von den Fischern, denen ihre gelben Schürzen und Gummihandschuhe irgendwie das Männliche nahmen.“ Holger Oe., Hollenstedt

„Einige Passagen fand ich verstörend (der Mann, der sich aufhängt; die Pornokiste, die Kriegsbilder enthält; Bennos Verschwinden), doch sie regen zum Nachdenken an. (…) Die Landschaftsbeschreibungen fand ich exzellent. Optimistisches Ende. Das gefällt mir.“ Doris E., Auckland

 

Preisrätsel für aufmerksame Leseratten: die Auflösung

Meine beiden Romane – Wolkenschieber oder Drei Sommer am Cap und Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker – haben „eigentlich“ nichts miteinander zu tun. Und doch tauchen einige Figuren in beiden Geschichten auf oder werden dort zumindest namentlich erwähnt. Um wen handelt es sich?

Wer mir bis zum 31. Janaur 2020 zuerst die Namen der Personen via Kommentar oder per E-Mail nennt, der oder die bekommt meinen im Frühjahr erscheinenden Erzählungen-Band geschenkt.

Und hier die Auflösung: Vier Figuren tauchen in beiden Romanen auf, davon jedoch nur eine "wirklich". Connie, eine der vier Hauptfiguren im Wolkenschieber-Roman, stößt im Roman Das andere Land nach längerer Abwesenheit (infolge der Geburt ihrer zweiten Tochter) wieder zur Klatsch-Clique. Zwei andere Figuren aus dem ersten Roman – Maxi und Benno – werden im zweiten nur erwähnt (Oliver will auf der Fahrt nach Rostock ggf. bei Maxi in Hamburg übernachten; Maxi hat ihrerseits – vor dem Rückflug von Frankfurt nach New York – den selben Wunsch an Oliver und Alexandra).

Nicht alle, aber doch einige Leserinnen und Leser, die sich bei mir gemeldet haben, nannten diese drei Namen. Nur eine Leseratte – Ellen D. aus Heidelberg (herzlichen Glückwunsch!) – wusste auch den vierten Namen: Anna, die Tochter von Connie und Andreas, wird in Das andere Land als 1990 ernsthaft erkranktes Kleinkind erwähnt. In Die Wolkenschieber  genießt sie im Sommer 1992 die Ferien am Cap Fréhel und hadert 2007 ebendort mit den Gefühlen und Unsicherheiten einer Achtzehnjährigen. 

 

Das andere Land und die Anderen

1990. Eine junge Frau kommt im Frankfurter Stadtteil Bockenheim zu Tode. Unfall oder Mord? Drei Männer geraten in Verdacht. Sie kannten bis zu dieser Septembernacht die Tote nur flüchtig oder  garnicht. Auch die drei Männer hatten sich erst am Nachmittag auf einem Straßenfest und während des anschließenden Kneipenabends kennengelernt. Es sind Frauen, die sich um das Gedenken und die Aufklärung des Kriminalfalls bemühen. Vergebens.

2015. Der viele Jahre zurückliegende Todesfall erregt erneut die Gemüter. Es ist von einem  Roman die Rede, der die Stunden und Tage vor dem vermeintlichen Mord minutiös beschreibt. Die drei ehedem verdächtigten Männer geraten  ins Visier eines ehemaligen Kriminalbeamten. In Maastricht und Hamburg, Berlin und Manavgat und natürlich immer noch in Bockenheim machen sich der Ermittler und die drei Männer getrennt von einander auf die Suche. Ihre Erinnerungen sind verblasst, ihr Gewissen meldet sich. 

1990/2015. Nicht nur zahlreiche unmittelbar oder indirekt Beteiligte verbinden die Jahre 1990 und 2015. Auch das, was landläufig "die Flüchtlingsfrage" oder noch ausgrenzender "die Asylantenflut" genannt wird und das Land und seine Menschen auf die Probe stellt, gehört zu den zweieinhalb Jahrzehnten, die mein Roman Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker  (ISBN 978-3-7412-7576-0, BoD 2019, 487 Seiten, 14,90 Euro (E-Book 9,99 Euro) durchschreitet. Es überrascht, wie wenig neu manche gegenwärtig so heftig umstrittene Herausforderung ist. Und es gibt zu denken, dass Humanität, Menschenrechte und Solidarität heute aktiver und sichtbarer als vor 25 Jahren gelebt und verteidigt werden müssen.

Zu beziehen über: www.bod.de/buchshop

und in jedem guten Buchladen.


Leseeindrücke: Das andere Land

Bei deinem Buch Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker beeindruckt mich besonders die Form des Geschriebenen; genauer gesagt die gefundene Erzählstruktur, die es dir möglich macht, zahlreiche verschiedene Charaktere aus unterschiedlichen Milieus über einen 25 Jahre umfassenden Zeitraum hinweg in einen komplexen Handlungszusammenhang plausibel einzubinden. Das muss man erstmal hinbekommen. Wenn dabei dennoch das eine oder andere mysteriös und rätselhaft bleibt, tut das der Sache keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil gewinnt der Roman dadurch geradezu. Denn dass nicht alles offen auf der Hand liegt (und damit langweilig wäre), fordert die Leser und Leserinnen auf eine spannende Weise heraus und bietet ihnen damit Raum für ihren eigenen Erkundungsdrang. So jedenfalls ging es mir.

Und wenn ich nun noch gefragt würde, welche der Romanfiguren ich gern mal näher kennenlernen möchte, würde ich mich für die geheimnisvolle Jenny Udvardy entscheiden, um ihr bei einem Essen im Frankfurter Restaurant "Weinsinn" noch genauer auf die Spur zu kommen. Corby, Wiesbaden

 

Ich habe Das andere Land oder Siesta am Kanakenbunker mit Interesse und Freude gelesen, es hat Spaß gemacht. Du hast eine gute und lebendige Schreibe. Ja bestimmte Entwicklungen scheinen nach 25 Jahren – wenngleich in anderem Umfeld und dadurch auch anders – wieder hochzukommen, Menschen entwickeln und verändern sich, wohin auch immer (z.B. der Gewerkschafter oder auch die Geflüchteten von 1990). Hilfe wird geleistet, was aber auch für die Helfenden eine eigene Dynamik entwickelt. Die Kinder werden erwachsen und bewegen sich in eine Welt, in der Vieles irgendwie im Fluss ist …, auch die Erwachsenen von 1990 und ihre Beziehungen.

Die Entwicklungen im von dir dargestellten Milieu sind anschaulich. Das macht es auch zu einem interessanten Buch, das gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift und darstellt, die ökonomischen Veränderungen hätten vielleicht noch etwas konkreter einbezogen werden können.

Mir gefällt zum Beispiel die Figur des Herbert Böckelmann. Eine Figur, die man so oder ähnlich aus den 70er oder 80er Jahren irgendwie kennt, zurückgezogen, bei Mutti lebend, wenig Eigeninitiative und Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen. Der dann aber mit der – auch vom Berufsleben geforderten – Dynamik der 90er Jahre sich weiterentwickelt und für sich selbst auch neue Ufer erschließen kann. Überhaupt werden so durch den „Bogen“ von 1990 bis 2015 die Veränderungen in verschiedenen Milieus sichtbar. Die Bockenheimer Szene (mit der ich mich nicht auskenne) wirkt gut beobachtet und erinnert. Ich finde auch gelungen, wie Du mit der Geschichte immer wieder an diese Bockenheimer Szene und dieses Milieu (z.B. die Kneipen) anknüpfst.

Der unaufgeklärte „Mord“ erlaubt immer wieder eine Rückblende auf 1990, die auch die Entwicklung der handelnden Personen verdeutlicht. Das Erscheinen der Texte von Jenny Udvardy erscheint mir allerdings unnötig. Es suggeriert, dass es in diesem Fall so etwas wie „die Wahrheit“ geben könnte und lässt wenig Raum für die Entwicklung der Erinnerungen der handelnden Personen, potentieller Mörder oder Totschläger oder anderer Anteilnehmender. Werner M., Wiesbaden